Analogspeicher
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Analogspeicher II - Auralisierung archäologischer Räume

Forschungsthema

Die Erforschung der materiellen Kultur hat im Zuge des Einsatzes digitaler Medien einen immensen Möglichkeitsspielraum hinzugewonnen. Im Bereich der Archäologie zum Beispiel lassen digitale Rekonstruktionen vergangene Architekturen wieder auferstehen und reflektieren dabei eine lange Tradition von Forschungsergebnissen ebenso wie sie neue Fragestellungen ermöglichen. Das Projekt »Analogspeicher II. Auralisation archäologischer Räume« untersucht auf Grundlage solcher Rekonstruktionen der zwei bedeutenden antiken Platzanlagen – dem Forum Romanum in Rom und der Agora in Athen – die funktionale Codierung des archäologischen Raums mithilfe virtueller raumakustischer Simulationen.

Die experimentelle Nutzung wissenschaftlich-kritischer digitaler Rekonstruktionen erlaubt eine Annäherung an die tatsächlichen Vollzüge antiker Kultur. Zentrale öffentliche Orte stellten wichtige Knotenpunkte des Gemeinwesens dar, in denen sich vielfältige Funktionen überlagerten bzw. miteinander in Einklang gebracht werden mussten. Die Agora und das Forum waren sowohl Orte der politischen Versammlung und Ansprache, sakralen oder rituellen Inszenierung, ökonomischen Transaktion und Alltagsbesorgung, als auch der juridischen Prozessierung. In diesen vornehmlich oralen Kulturen spielt die akustische Organisation solcher räumlichen Ensembles aus hardware (z.B. gebauter Architektur, temporärer Bauten), wetware (z.B. Mensch, Tier) und software (z.B. Luft, Klima) eine immense Rolle für die Sicherstellung der Platzfunktionalität.

Unter dem programmatischen Begriff »Analogspeicher« wird der historische Klangraum als ein analoger, kulturell höchst wirksamer Funktionsspeicher gefasst. Dieser Speichertyp beruht grundsätzlich auf der Filterwirkung einer Struktur, die Übertragungsprozesse in wiederhol- und kontrollierbarer Form ablaufen lässt. Umgekehrt sind Übertragungen stets nur in und durch solche Filterstrukturen realisierbar. Anregungen akustischer Räume setzen demnach von einer Struktur gefilterte Übertragungen in Gang, die eine raumfunktionale Codierung aktualisieren. In diesem Sinne lässt sich die kulturelle Wirksamkeit einer operativen Materialität im Kurzschluss zwischen symbolischer und realer Dimension analysieren.


Zielsetzung

Die Erweiterung der visuellen Rekonstruktionen um die akustische Dimension des Sensoriums erfolgt entsprechend sowohl aus dem Interesse einer wahrnehmungsorientierten Re-Evaluation öffentlicher, antiker Kultur als auch mit dem Erkenntnisziel, die Bedeutung des Auditiven für die Rekonstruktion historischer Räumlichkeit zu bewerten. Durch die Verschränkung von visueller und akustischer Simulation soll eine innovative Forschungsmethode für die Altertumswissenschaften entwickelt und erprobt werden, welche sich vermehrt für performativ-kulturelle anstelle von rein symbolisch-repräsentationalen Fragestellungen öffnen.

Die inhaltlichen wie methodischen Ergebnisse dieser interdisziplinären Kollaboration geben fachspezifische Impulse in die angeschlossenen Wissensbereiche, z.B. in Form einer pragmatischen, räumlich konkreten Platzarchäologie, einer Analyse architektonischer Rekonstruktionen, einer Historisierung auditiver Medienkultur, einer Wissensgeschichte des Akustischen, einer historischen Klanganthropologie und einer Optimierung akustischer Simulationen für offene Räume.


Durchführung

In Kooperation mit dem Projekt »Digitales Forum Romanum« des Winckelmann-Instituts der HU Berlin, des EXC Topoi und des Architekturreferats des DAI werden die bestehenden Rekonstruktionen des Forum für akustische Simulationen angepasst und ausgestaltet, während zeitgleich eine digitale Rekonstruktion der Athener Agora für die wichtigsten Zeitschnitte erstellt wird.

Auf Grundlage dieser digitalen architektonischen Rekonstruktionen werden in Zusammenarbeit mit dem Fachgebiet Audiokommunikation der TU Berlin vergleichende raumakustische Auralisationen für ausgewählte Szenarien durchgeführt, um unterschiedliche Raumkonstellationen und deren jeweilige akustische Funktionen in Beziehung setzen zu können.


Ergebnissicherung

Ein multimedialer Dokumentationsband wird zum Abschluss des Projekts die Vorgehensweise und die Ergebnisse der Gestaltung dieses audiovisuellen Forschungsinstruments zusammenfassen. Die Forschungsdaten und -modelle werden begleitend online zur Verfügung gestellt.

Der nachhaltige Umgang mit Kulturerbe ist einer der Aufträge der Digital Humanities, dem sich auch dieses Projekt verpflichtet. In diesem Sinne ist eine ortsspezifische Verschmelzung von virtueller und physischer Präsenz im Rahmen einer mobilen Version angedacht.