Alexander von Humboldts Vasa-Papagei »Jacob« ( Coracopsis vasa) ©:  MfN, Carola Radke.
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Alexander von Humboldts Vasa-Papagei »Jacob« ( Coracopsis vasa) ©: MfN, Carola Radke.

Mobile Objekte

Projekt in Kooperation mit dem Museum für Naturkunde - Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung, dem Ibero-Amerikanischen Institut in Berlin und den Wissenschaftlichen Sammlungen an der Humboldt-Universität zu Berlin.

Forschungsthema
Das Projekt setzt sich mit natur- und kulturgeschichtlichen Objekten auseinander und fragt nach ihren Entstehungskontexten, Bewegungen und Transformationen. Objekte werden und wurden gesammelt, klassifiziert und anschließend präpariert und fixiert. Dem Zustand ihrer größtmöglichen Stabilität – sowohl in ihrer sichtbaren Gestalt als auch in ihrer Zuordnung innerhalb einer Klassifikation – steht ein Zustand der größtmöglichen Mobilität in verschiedenen Wissensräumen gegenüber. Mit der Untersuchung exemplarischer (Im‑)Mobilitätspraktiken von Objekten beschreibt das Projekt interdisziplinäre sowie transnationale Wissenslogiken.

Zielsetzung
Anhand unterschiedlicher Sammlungseinrichtungen wird eine vergleichende Analyse des Objektbegriffs durchgeführt. Ziel ist es, gewohnte Kategorisierungen in Frage zu stellen und die Zusammenhänge von Institution, Akteur, Praxis und Objekt genauer zu klären. Dies ist in der Forschung bereits vielfältig unternommen worden, doch gilt es, zukünftig vor allem drei neuere Entwicklungen zu analysieren: (a) die sich verändernde Rolle der »Objektbearbeiter« und »Objektmanager« (Kurator, Bibliothekar, etc.), (b) die Diskussionen um den rechtlichen, politischen oder gar diplomatischen Status von Objekten (Open Access, Kulturgutdiskussion, Rechte indigener Gruppen, etc.) und schließlich (c) die Digitalisierung von Objekten als einer neuen Form ihrer Mobilisierung, die andere materielle, kategoriale, räumliche oder institutionelle Verknüpfungen zulässt. 

Durchführung
Die sowohl historisch wie ethnographisch ausgerichteten Fragestellungen von »Mobile Objekte« werden in drei eng miteinander verzahnten Teilprojekten untersucht.

1. Das Teilprojekt »Politische Objektmobilität. Naturkundliche Sammlungen im Berlin der Nachkriegszeit« ist am Museum für Naturkunde Berlin in Kooperation mit den Sammlungen der Humboldt-Universität angesiedelt. Es fragt danach, wie sich die historische Epoche des Kalten Krieges auf die Bewegungs- und Benutzungsformen naturkundlicher Objekte ausgewirkt hat. Stellte der sogenannte Eiserne Vorhang eine weitgehende Bewegungseinschränkung für Menschen und Waren zwischen Ost- und Westberlin sowie den jeweiligen Bündnispartnern dar, so muss die Geschichte der Mobilität von naturkundlichen Objekten in diesem Zeitraum noch geschrieben werden. Als zentrale museumsübergreifende Einschnitte sind insbesondere der Mauerbau und die damit zementierten neuen geopolitischen Allianzen sowie die Hochschulreform von 1968 zu untersuchen, die mit großen Umordnungsbewegungen der Sammlungen am Museum für Naturkunde und der Humboldt-Universität zu Berlin einhergingen.

2. Das Teilprojekt »Museale Objektmobilität. Ausstellungsboom und internationale Exponatbewegungen in den Siebziger Jahren«, welches am Lehrstuhl für Wissenschaftsgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin angesiedelt ist, fragt nach dem Zusammenhang zwischen dem Ausstellungsboom der 1970er Jahre und den Bewegungsformen und -bedingungen von Exponaten in dieser Zeit. Die 1970er Jahre können als ein Ausstellungsjahrzehnt bezeichnet werden: Mehr und mehr temporäre und themenzentrierte Ausstellungen wurden durchgeführt, das Interesse der Öffentlichkeit war enorm und erste Besucherrekorde wurden publik gemacht. Doch es sind nicht nur Besucherrekorde, die mit und nach den Ausstellungen zu verzeichnen sind, sondern auch umfassende, sich über Ländergrenzen hinweg ziehende Objektströme. Die Diskussion um Objektschädigung, Objektversicherung und Objektkopie in einem sich immer intensiver drehenden Ausstellungskarussell nimmt hier ihren Ausgang. Ziel ist es, anhand ausgewählter Ausstellungsbeispiele den Umgang mit den Exponaten darzustellen. Kann eine Ausstellungsgeschichte der 1970er Jahre als eine grundlegende »Sattelzeit« einer explodierenden Objektbewegung beschrieben werden?

3. Das Teilprojekt »Digitale Objektmobilität. Rezente Technologien und transatlantischer Wissensaustausch« wird durch das Ibero-Amerikanische Institut koordiniert. 
Es setzt sich mit den Auswirkungen der digitalen Transformation auf Objekt-Praktiken, die Rolle und den Status von Objekten und Objektmanagern im internen institutionellen Gefüge sowie die trans-institutionellen Bewegungen von Objekten auseinander. So lässt die Digitalisierung von Objekten als einer neuen Form ihrer Mobilisierung andere materielle, kategoriale, räumliche oder institutionelle Verknüpfungen zu. Ein besonderer Schwerpunkt liegt hierbei auf der Zirkulation von Objekten zwischen Deutschland und Lateinamerika. Anhand konkreter Fallbeispiele soll analysiert werden, wie durch die digitale Transformation Räume und Formate der internationalen Kooperation verändert werden.     

Ergebnissicherung 
In den Teilprojekten werden Objektbewegungen beispielhaft unter Berücksichtigung ihrer historischen wie rezenten Formationen untersucht. Der Forschungsprozess wird in Vorträgen, Workshops, internationalen Tagungen und in der Gesprächs- und Workshopreihe »Werkstattgepräche Mobile Objekte«  reflektiert und vorangetrieben. Ergebnisse werden in Form von Publikationen festgehalten und in Ausstellungen öffentlich präsentiert.