Nachwuchsförderungsmaßnahme

Projekte der Themenklasse »Bild Wissen Gestaltung« 2017/18

Lukas Helbich (Kulturwissenschaft) 
Projekt »Theorie und Geschichte der Experimentalsysteme«

In seiner Forschung im Rahmen der BWG-Themenklasse beschäftigt sich Lukas Helbich mich dem Einfluss naturwissenschaftlichen Wissens – z.B. Isaac Newtons – auf die soziologische Theorie Gabriel Tardes. Einen Schwerpunkt des Forschungsprojektes bildet dabei Tardes literarisches Experiment »Fragment einer Geschichte der Zukunft«, in dem die Bedeutung der Umwelt für die Gesellschaft utopisch pointiert wird. Lukas interessiert, wie ein solches »poetologisches Experiment« (Eva Horn) zur Entwicklung und Erprobung einer Gesellschaftstheorie funktioniert.

Lilly Pyras (Kunst- und Bildgeschichte / Physik) 
Projekt »Theorie und Geschichte der Experimentalsysteme«
Im Rahmen des Deutschlandstipendium beschäftigt sie sich mit der Theorie und Geschichte von Experimentalsystemen am Beispiel der Sonne. Hier geht sie der Frage nach, welchen Einfluss die kulturwissenschaftlichen Vorstellungen seit der Renaissance auf die mathematischen Modellbildungen haben.
Wie spiegelt sich Zeitwissen in physikalischen Erklärungsmodellen wieder?

Simon Lindner (Kunst- und Bildgeschichte)
Schwerpunkt »Architekturen des Wissens«
Die Projektarbeit befragt exemplarische Bildkörper auf ihre narrative Funktion hin. Wie können Geschichten oder Handlungen so in Bildform übersetzt, das heißt erzählt, formalisiert und schematisiert werden, dass die geschaffenen Bilder nicht nur ihre einstigen Kontexte deuten, sondern noch darüber hinausweisen?

Maren Isabel Fritz (Philosophie)
Schwerpunkt »Bild & Handlung«
Die Erfahrung von Krankheit hat im menschlichen Leben eine große Spannweite: Sie reicht von kleinsten Beeinträchtigungen bis hin zu existentiellen Erlebnissen, wenn es sich um schwere und lebensbedrohliche Erkrankungen handelt. Letztere gehen meist mit Krankenhausaufenthalten einher und können stark in das bisherige Selbstverständnis, die Autonomiefähigkeit und die Lebensführung des_der Patient_in eingreifen. 
Unter der Fragestellung, wie der_die Patient_in professionelle Hilfestellung dabei erhalten kann, die Erfahrung von Krankheit und Hilfsbedürftigkeit zu verarbeiten und sie in sein Selbstbild sowie seine Biographie zu integrieren, untersuchte Maren den medizinethischen Topos der Arzt*-Patient*-Beziehung. Dabei stellte sich ein bestimmtes Verständnis des Begriffs der Menschenwürde als geeignet dar, der Beziehung eine inhaltliche Ausrichtung und handlungsleitende Anregungen zu geben. 
Nach der intensiven theoretischen Arbeit im ersten Jahr des Forschungsprojektes (2016/17) möchte Maren nun im zweiten Jahr ihre Ergebnisse verstärkt mit Wissenschaftler_innen im Clusterverbund diskutieren und daraus ggf. neue Forschungsinhalte generieren. Gleichzeitig wird sie sich der weiteren Erarbeitung zeitgenössischer Menschenwürde-Theorien widmen und deren Anwendbarkeit auf den medizinethischen Kontext prüfen.

Jonathan Haid (Kulturwissenschaft)
Schwerpunkt Bild & Handlung«
Die Anwendung von Sonifikation und Auditory Display als wissenschaftliche Methode eröffnet nicht nur epistemologische und ästhetische Perspektiven, sondern evoziert ebenso wissenschaftstheoretische Fragestellungen, sowie Spannungs- und Problemfelder unterschiedlicher Art. Das Projekt beschäftigt sich mit Sonifikationsformen in Wissenschaft und Medizin. Das kultur- und medienwissenschaftliche Interesse richtet sich dabei zum einen auf spezifische Körper-, Kultur- und Hörtechniken, welche die Rezeption und Interpretation sonifizierter Daten erfordern. Zum anderen auf materielle Kulturen der Sonifikation, durch deren technische Komposition Wissen nicht nur repräsentiert, sondern auch produziert und gestaltet wird.

Andrea Popelka (Kulturwissenschaft)
Schwerpunkt »Bild & Handlung«
Die Phantasmatik des »Remote Viewings«
Ab Ende der 1970er Jahre startete das US-amerikanische Militär eine geheime Einheit mit dem Code-Namen »StarGate«. Das Projekt, in das auch die CIA involviert war, widmete sich dem Einsatz von Psychotechniken in militärischen und zivilen Operationen. Ein bedeutender Anteil galt dabei der Untersuchung und Entwicklung von »remote viewing«, »remote perception« oder »remote sensing«. Mit dieser Begriffsfamilie wurde damals das blinde, psychische oder fühlende »Sehen« von weit entfernten Orten und Ereignissen benannt. Auch der Begriff »clairvoyance«, sinngemäß übersetzt mit »klarem Sehen«, war in Verwendung. In ihrem Projekt untersucht Andrea Popelka, inwiefern sich eine diskursive Genealogie von diesem historischen Kontext zum zeitgenössischen Drohnenkrieg ziehen lässt.

Lisa Bosch (Psychologie)
Schwerpunkt »Bild & Handlung«
Virtuelle Realität wurde bereits für verschiedene (psychische) Krankheitsbilder eingesetzt und evaluiert, wobei sich zeigte, dass virtual reality therapy ähnlich wirksam wie herkömmliche Psychotherapie ist (Valmaggia et al., 2016). Bisher wurden virtuelle Szenarien vor allem im Rahmen von Expositionsverfahren (Konfrontation mit dem angstauslösenden Objekt) zur Behandlung von Phobien und anderen Angsterkrankungen eingesetzt. Da sich aus der Verwendung von virtuellen Szenarien jedoch weitaus mehr Möglichkeiten bieten, beschäftigt sich Lisa Bosch mit dem Einsatz von head mounted displays bei Schmerzpatient_innen, wobei der Fokus ihrer Arbeit auf dem Prozess der Chronifizierung von Schmerzen liegt.

Philipp Schneider (Kunst- und Bildgeschichte)
Schwerpunkt »Bild & Handlung«
Mit seiner Allgegenwärtigkeit und jahrtausendealten Tradition ist das Genuss- und Suchtmittel Alkohol aus unserer Kultur kaum wegzudenken. Sein übermäßiger Konsum gilt jedoch als verwerflich. Seit jeher werden moralisch aufgeladene Sittenbilder zum Thema Alkoholismus erschaffen, wie der obdachlose Lumpensammler, die einsame Matrone, die verkommene Prostituierte oder der auf die schiefe Bahn geratene Student. Woher kommen diese Stereotypen und wie nahe sind sie an der Realität? Soll hier nicht eher eine verruchte Gegenwelt heraufbeschwört werden, die den »funktionierenden Alkoholiker« sich in Sicherheit wiegen lässt?

Frank Meißner (Kulturwissenschaft)
Schwerpunkt »Bild & Handlung«
Als Deutschlandstipendiat_innen in der AG »Morphologie und Formengeschichte« beschäftigen sich Maddalena und Frank mit der Frage nach der Rolle bildlicher Darstellungen in der Biologie anhand des Fachmagazins »Journal of Morphology«. Dabei soll der Fokus auf Darstellungen von Knochen liegen und untersucht werden, wie diese vom Ende des 19. Jh. bis heute im »Journal« abgebildet wurden. Paradigmatische Veränderungen von Darstellungskonventionen, Bildpraktiken und argumentativen Rollen der Bilder sollen im Blick auf die Einführung und Nutzung neuer Medientechniken untersucht werden. Dafür werden zwei Zeiträume betrachtet: Zum Einen die Wende vom 19. zum 20. Jh., mit der Einführung neuer bildgebender Verfahren wie Fotografie und Röntgenstrahlen, und zum Anderen das beginnende 21. Jh., in dem auch Elektronenmikroskopie, CT-Scan und 3D-Rekonstruktion zum Einsatz kommen.

Maddalena Casarini (Deutsch und Französisch)
Schwerpunkt »Bild & Handlung«
Als Deutschlandstipendiat_innen in der AG »Morphologie und Formengeschichte« beschäftigen sich Maddalena und Frank mit der Frage nach der Rolle bildlicher Darstellungen in der Biologie anhand des Fachmagazins »Journal of Morphology«. Dabei soll der Fokus auf Darstellungen von Knochen liegen und untersucht werden, wie diese vom Ende des 19. Jh. bis heute im »Journal« abgebildet wurden. Paradigmatische Veränderungen von Darstellungskonventionen, Bildpraktiken und argumentativen Rollen der Bilder sollen im Blick auf die Einführung und Nutzung neuer Medientechniken untersucht werden. Dafür werden zwei Zeiträume betrachtet: Zum Einen die Wende vom 19. zum 20. Jh., mit der Einführung neuer bildgebender Verfahren wie Fotografie und Röntgenstrahlen, und zum Anderen das beginnende 21. Jh., in dem auch Elektronenmikroskopie, CT-Scan und 3D-Rekonstruktion zum Einsatz kommen.

Mirjam Schäfer (Kulturwissenschaft)
Schwerpunkt »Formprozess & Modellierung«
Mirjam Schäfer wird ihr Forschungsprojekt im Rahmen von Formprozess und Modellierung an ihre anstehende Masterarbeit anbinden, deren Thema sie derzeit ausformuliert.

Tilman Stephani (Psychologie)
Schwerpunkt »Formprozess & Modellierung«
Charakteristisch für Strukturen in der Natur ist ein bestimmtes Maß an Selbstähnlichkeit, d.h. Formen auf Makroebene kehren mit hoher Ähnlichkeit auf Mikroebene wieder. Die menschliche Informationsverarbeitung scheint sensitiv für eine solche Selbstähnlichkeit zu sein, indem Strukturen mit einer »Natur-typischen« Selbstähnlichkeit als angenehmer empfunden werden als »nicht-natürliche« Strukturen. Beschränkt sich dieses Phänomen der menschlichen Wahrnehmung nur auf Objekte der realen Umwelt oder wirken diese Mechanismen auch in virtuellen Strukturen? In seinem Projekt untersucht Tilman die Präferenz von Betrachterinnen und Betrachtern für Liniendiagramme unterschiedlicher Selbstähnlichkeit sowie deren mentaler Repräsentation.

Céline Couson (Kulturwissenschaft)
Schwerpunkt »Formprozess & Modellierung«
Beim Musikhören geht das wahrnehmende Subjekt eine Interaktion mit der Umwelt ein, in der die Begriffe ›cognition‹, ›knowledge‹ und ›action‹ in enger Interdependenz stehen. Wenn also musikalische Wahrnehmung niemals ein bloß passiver Vorgang ist, sondern immer schon eine Handlung, rückt die Körperlichkeit des Wahrnehmungsprozesses stärker in den Fokus. Vor diesem Hintergrund wird sich Céline im Rahmen ihres Forschungsprojekts in der Themenklasse dem Phänomen des ›Embodiments‹ in der Musikwahrnehmung widmen.




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