Formwerdung
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Formwerdung
Event (abgeschlossen)
Ort
HU Berlin, Hörsaal 1.101
Dorotheenstr. 24 / Hegelplatz Hörsaal im Grimm-Zentrum, Geschwisterschollstr. 3

17.10. | Hörsaal 1.101, Dorotheenstr. 24 / Hegelplatz, 10117 Berlin

19.15 Uhr | Vortrag Georges Didi-Huberman »The Dislocation of Forms Leads to the Dislocation of Thought: On Bataille, Einstein, and Picasso«

18.10. | Hörsaal im Grimm-Zentrum, Geschwisterschollstr. 3, 10117 Berlin

Der Prozess der Formung beginnt mit der Auseinandersetzung mit dem Chaos, einer immer wieder aktualisierten Anspielung auf die göttliche Schöpfung. Dieser Topos des Anfangs – das weiße Blatt Papier, die kalte Tonmasse oder die klaffende Baulücke – war seit Plinius ein zentrales Element des Sprechens über Bilder und fand in der Kunsttheorie Albertis, Leonardos oder auch Karel van Manders und Samuel van Hoogstratens ihre Fortsetzung. Die produktive Spannung zwischen Chaos und Form und die Thematisierung des Bildprozesses wird in der Rolle des Zufallsprinzips zu einem Paradigma erhoben, der schon seit der Antike der Bildgenerator per se war. Dazu spielen einerseits die Frage einer »Entdeckung« der Abstraktion sowie das Konzept der »Enargeia« eine zentrale Rolle.

Kein Gegenstand kann ohne Form gedacht werden. Diese scheinbar unwiderlegbare These bewegte viele Künstler_innen dazu, sich der paradoxen Aufgabe zu stellen, den Dingen die Form zu entziehen. Die Frage des Formentzugs, der Formnegation und der Formdestruktion rückte erst vergleichsweise spät ins Zentrum künstlerisch gestalterischen Interesses. Die materialästhetische Debatte des Formlosen steht von Beginn an unter der Bedingung dessen, dass Materie an sich formlos ist. »Formlos« bedeutet hierbei allerdings nicht die absolute Privation der Form, sondern lediglich das Fehlen von Spuren menschlichen Eingriffs. 

Die Gegenthese zu dieser materialästhetischen Betrachtungsweise sieht hingegen das Formlose immer schon unter der Bedingung einer höchst artifiziellen Formung an. Ein ernst gemeinter »Amorphismus«, der versucht, den Dingen ihre Form zu entziehen, muss den Prozess einer Formung durchlaufen, um ihn dann wieder zunichte machen zu können. Dem Rückzug der Form muss ein Aufmarsch vorangegangen sein.

Weitere Informationen: Das ausführliche Programm als pdf




Horst Bredekamp
Interdisziplinäres Labor Sprecher, Vorstand Principal Investigators
Hermann von Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik Professuren
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