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Event (abgeschlossen)
Vorträge Patricia Ribault & Wolfgang Schäffner

05.11.2018 - 18:15 Uhr bis
05.11.2018 - 20:00 Uhr
Ort
Zentraler Laborraum
Interdisziplinäres Labor, Sophienstr.22a, 10117...

Von Form zu Formlosigkeit: Die Strategie des Oktopus – Prof. Dr. Patricia Ribault

Der Oktopus ist bekanntermaßen ein Meister der Täuschung: So kann er z.B. die Gestalt eines Steins annehmen, um sich vor unliebsamen Blicken zu verstecken. Aber er gibt sich nicht einfach damit zufrieden, unsichtbar zu sein und sein Umfeld durch sein wachsames Auge zu betrachten. Er ist auch ein Meister der Verwandlung, ein Held der metis, und in der Lage, Gestalt und Farbe einer Seeschlange, eines Skorpionfisches oder eines Steinbutts so wirkungsvoll anzunehmen, dass wir darüber beinahe sein wahres Aussehen vergessen.

Letztendlich ist er polupaipalos – ein Trickster, wandelbar, vielschichtig, schlüpfrig. Die Natur hat den Oktopus für diese Rolle bestens ausgestattet: ohne Knochen oder Knorpel, fünfhundert Millionen Neuronen entlang jeder seiner acht Tentakel. Kurzum, der buchstäblich körperlose Oktopus ist wie geschaffen für den Polymorphismus.

Was also kann uns der Oktopus über die Kunst der Tarnung lehren? Vielleicht, dass Erscheinung und Verschwinden vor allem eine Frage der Gestalt, des Körpers, des Fleisches sind – der Gestalt im Sinne Merleau-Pontys, wie er es in seinen Arbeitsnotizen beschreibt: „Eine Gestalt, die dem Polymorphismus entstammt, stellt uns völlig außerhalb jeder Philosophie von Subjekt und Objekt“ (Das Sichtbare und das Unsichtbare).

Camouflage: Revolution des Bildes in Zeiten des Luftkrieges – Prof. Dr. Wolfgang Schäffner

Der erste Weltkrieg war der erste Luftkrieg, der den visuellen Raum radikal veränderte. In dem neu entstandenen Raum der vertikalen Sichtbarkeit war die Tarnung von höchster Bedeutung. In diesem Zusammenhang kam französischen, britischen und deutschen Malern eine besondere Bedeutung zu: Ihre Camouflage-Praktiken zeigen, wie die abstrakte moderne Malerei zu einer Simulation der Natur wird. Indem sie eingesetzt werden, um Unsichtbarkeit zu erzeugen, wandeln sich Bilder in ihr Gegenteil. Im Kontext von Kriegstechniken fügt sich die Malerei in einen Prozess ein, der die Konstitution des Bildes als solches grundlegend verändert. Die Tarnung war eine der Ursachen für die Revolution des Bildes im 20. Jahrhundert und führte nach dem zweiten Weltkrieg zur Einführung der Radartechnik und Computerbildschirmen.




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