Melanocetus Krechi (Schwarzanglerfisch), Foto: Museum für Naturkunde Berlin
Lugar
Museum für Naturkunde
Invalidenstr. 43, 10115 Berlin Raum N 3221, Nordbau

»L’animal nous regarde«, »das Tier geht/blickt uns an«, schreibt Derrida auf französisch so wunderbar doppeldeutig.

Das Tier, das mich im Museum für Naturkunde in Berlin anblickt, als ginge es mich etwas an, ist ein totes Tier; das Nasspräparat eines Anglerfisches, das sorgfältig konserviert durch seinen gläsernen Aufbewahrungsort und umgeben von vielen anderen ähnlich präparierten und konservierten Tieren zu bewundern ist. Aber können uns tote Tiere überhaupt anblicken und wenn ja, wie gehen sie uns an?

Gefangen im März 1899 während der ersten deutschen Tiefseeexpedition mit dem Forschungsschiff Valdivia unter der wissenschaftlichen Leitung von Carl Chun, ist dieses tote Tier unbestreitbar ein Wissensobjekt. Betrachtet man das Nasspräparat genauer, lassen sich allerlei Spuren erkennen und beschäftigt man sich weiter und tiefergehender mit diesem kleinen Anglerfisch, beginnt das konservierte Tier Geschichten zu erzählen: Geschichten von seinem eigenen tierlichen Leben und Tod, aber auch Geschichten von Menschen, die mit dem Objekt-gewordenen Tier bis heute arbeiten. Als hochgradig mobiles und damit globales Objekt schlägt es eine Brücke über Raum und Zeit. Welche Geschichten birgt dieses und bergen ähnliche Tiefseeobjekte also? Wie können wir sie entdecken und was heißt es, sie zu erzählen?

Maria-Anna Schiffers studierte Politische Bildung und Spanisch sowie Romanische Philologie an der Universität Potsdam und an der Universidad de Sevilla/Spanien. Auslandsaufenthalte und Praktika in Chile, Bolivien. Ihre Masterarbeit befasste sich mit dem Thema »Text-Tiere: Lebenswissen und tierliche Handlungsmacht in Erzähltexten des 21. Jahrhunderts«. Maria-Anna Schiffers Interessenschwerpunkte liegen im Bereich der Gender Studies, der Critical Animal Studies und der kulturellen und literarischen Repräsentation von Tieren in Erzähltexten Lateinamerikas.

Kontakt: swantje.bahnsen@hu-berlin.de